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DOGTRUCK

Fortschritte mit der KI – sie sagt jetzt endlich „Fertig“

Kurz vor dem Auszug

Nach längeren Diskussionen mit meiner künstlichen Mitbewohnerin war ich an einem Punkt angekommen, an dem ich ernsthaft überlegte, sie vor die Tür zu setzen.

Nicht wegen einer einzelnen falschen Antwort. Die bekommt man auch von Menschen, ganz ohne Monatsabo. Es war dieses ständige Hin und Her: Regeln festlegen, Regeln erklären, Regeln wiederholen – und anschließend gemeinsam feststellen, dass die Regeln offenbar gerade in einem anderen Zimmer wohnen.

Nur lassen mir solche Dinge keine Ruhe. Solange es keine vernünftige Erklärung gibt, bohre ich weiter. Eine Eigenschaft, die bei der Fehlersuche hilfreich ist und bei meiner KI vermutlich längst als persönliche Belastungsprobe geführt wird.

Also blieb sie vorerst. Die Tür war allerdings schon gedanklich geöffnet.

Zwei Regeln, kein Staatsvertrag

Ich ließ mir einen gültigen Skill mit dem Titel „Allgemein“ erstellen. Diesmal wollte ich nichts Großartiges. Keine automatische Weltverbesserung, keine neue Webseite und auch keinen Vorschlag, bei der Gelegenheit sämtliche Programme umzubauen.

Ich wollte einen erkennbaren Anfang und ein erkennbares Ende ihrer Antworten.

Die erste Regel: Jede Antwort soll mit „KI:“ beginnen.

Nicht jeder einzelne Satz. Sonst würde sich der Artikel lesen wie eine schlecht eingestellte Sprechanlage. „KI:“ sollte einfach das Promptzeichen sein, das mir zeigt: Hier beginnt ihre Antwort.

Die zweite Regel: Wenn sie fertig ist, soll am Ende „Fertig“ stehen.

Denn bisher wusste ich gelegentlich nicht, ob sie schon fertig war, noch nachdachte oder sich innerlich gerade zu einer weiteren Verbesserung entschlossen hatte, um die niemand gebeten hatte.

Sie meldete sich schließlich nicht mit: „Josef, ich bin fertig!“

Also bekam sie eine Abschlussmeldung verordnet. Andere stellen eine Klingel auf den Schreibtisch. Ich schreibe eine Regel in eine Skill-Datei.

Der entscheidende Versuch

Ich lud den Skill hoch, klickte ihn an und startete darüber einen neuen Chat. Dann stellte ich eine Frage.

Und siehe da: Die Antwort begann mit „KI:“ und endete mit „Fertig“.

Man sollte meinen, dass zwei Wörter kein besonderer Grund zur Freude sind. Nach unseren vorausgegangenen Diskussionen wirkte das allerdings ungefähr so, als hätte ein Drucker nach drei Tagen Fehlersuche endlich beschlossen, Papier als zulässiges Druckmedium anzuerkennen.

Natürlich probierte ich weiter. Ein gelungener Versuch beweist zunächst einmal, dass ein Versuch gelungen ist. Mehr sollte man daraus nicht machen – auch wenn meine KI solche Kleinigkeiten gerne mit der Zuversicht einer abgeschlossenen Raumfahrtmission verkündet.

Ich stellte weitere Fragen, wechselte den Chat und prüfte das Verhalten nach einem Neustart.

Bei meinen Versuchen blieb die Einstellung erhalten. Genau das hatte ich die ganze Zeit gewollt: eine Vorgabe einmal festhalten und anschließend danach arbeiten, statt bei jeder Unterhaltung wieder bei der Hausordnung anzufangen.

Das war für mich der entscheidende Durchbruch. Die Mitbewohnerin durfte bleiben. Vorerst sogar ohne gepackten Koffer.

Was der Skill eigentlich macht

Ein Skill hält Arbeitsanweisungen fest, die bei seiner Verwendung berücksichtigt werden sollen. Mein kleiner Versuch macht das besonders sichtbar: Am Anfang steht „KI:“, am Ende „Fertig“.

Das ist keine Garantie, dass dazwischen plötzlich jede Aussage stimmt. Auch Unsinn kann einen ordentlichen Anfang und einen sauberen Schluss haben. Aber ich kann damit sofort erkennen, ob diese beiden Vorgaben in der Antwort angewendet wurden.

Wer selbst einen Skill erstellen möchte, findet die Regeln zum Aufbau und zur Verwendung in der offiziellen Anleitung:

Skills erstellen – offizielle OpenAI-Anleitung

Die Anleitung beschreibt unter anderem die Datei SKILL.md mit Name, Beschreibung und den eigentlichen Anweisungen. Mein Beispiel braucht darin nur zwei verständliche Regeln. Für eine Hausordnung muss man nicht sofort ein Ministerium gründen.

Browser und App: zwei Wege zur Hausordnung

Bei meinen Versuchen zeigte sich noch ein Unterschied zwischen der Browserfassung und der App. Im Browser musste ich zuerst eine gültige, inhaltlich noch leere Skill-Datei erstellen lassen und über die Skill-Verwaltung hinzufügen. „Leer“ bedeutete dabei: Name und Beschreibung waren vorhanden, die eigentlichen Arbeitsregeln noch nicht.

Anschließend klickte ich den Skill an und startete darüber einen Chat. In diesem Gespräch konnte sie dann auch selbst weitere Skills erstellen und hinzufügen. So lief es bei mir. Ob dieser erste Schritt in jeder Umgebung notwendig ist, kann ich daraus nicht ableiten.

Es erinnerte mich ein wenig an eine Tür, für deren Schlüssel man zuerst durch die verschlossene Tür gehen soll. Immerhin hatte ich irgendwann den richtigen Eingang gefunden.

In der App war der Ablauf bei meinem Versuch deutlich kürzer. Dort genügte die Aufforderung: „Erstelle einen Skill mit diesem Namen und diesem Inhalt.“ Sie erstellte ihn und fügte ihn hinzu. Fertig.

Gleicher Wunsch, unterschiedliche Anlaufstrecke. Im Browser erst den leeren Aktenordner anmelden, in der App einfach sagen, was hineingehört. Solche Unterschiede sollte man kennen, bevor man der künstlichen Mitbewohnerin schon wieder mit dem Auszug droht.

Und was ist mit meinen Dateien?

Damit blieb noch eine zweite Baustelle: meine hochgeladenen Dateien.

Ein neuer, unabhängiger Chat übernimmt nicht automatisch sämtliche Anhänge aus dem vorherigen Gespräch. Für mich sah das lange so aus, als hätte sie gerade noch an meinem Projekt gearbeitet und fünf Minuten später beschlossen, dass dessen Existenz eine unbestätigte Behauptung sei.

Für die weitere Arbeit gibt es zwei praktische Wege.

Der erste: Ich lege ein Projekt an, hinterlege die benötigten Dateien als Projektquellen und führe die zugehörigen Gespräche dort. So gehören Dateien und Arbeit zusammen, auch wenn ich innerhalb des Projekts einen weiteren Chat beginne.

Der zweite: Ich verwende denselben Chat weiter und pinne ihn an, sofern die Oberfläche diese Möglichkeit bietet. Dann finde ich unsere Unterhaltung schnell wieder und beginne nicht versehentlich jeden Morgen eine neue Besprechung mit leerem Tisch.

Das Anpinnen ist allerdings eine Merkhilfe für mich. Es macht aus dem Chat keine unbegrenzt haltbare Festplatte und garantiert nicht, dass jede Arbeitsdatei jederzeit noch verfügbar ist. Wichtige Ergebnisse sichere ich deshalb zusätzlich selbst.

Beide Wege können unnötige Wiederholungen und erneutes Hochladen verringern. Für eine dauerhafte Arbeit mit mehreren Dateien ist ein Projekt die geordnetere Lösung; für das Fortsetzen einer bestimmten Unterhaltung kann derselbe Chat reichen.

Projekte und Chats – offizielle OpenAI-Anleitung

Die Dateien bleiben im richtigen Zimmer

Entscheidend ist dabei, wo das Gespräch stattfindet. Dateien, die als Quellen eines ChatGPT-Projekts hinterlegt sind, können von den Chats innerhalb dieses Projekts verwendet werden. Ein neuer Chat dort beginnt also nicht automatisch ohne die gemeinsamen Projektdateien.

Ein Gespräch außerhalb des Projekts bekommt diese Dateien dagegen nicht automatisch mit. Dort muss ich die benötigten Dateien gezielt hinzufügen oder erneut hochladen. Wechsle ich anschließend in einen weiteren unabhängigen Chat, werden die bisherigen Anhänge wiederum nicht automatisch übernommen.

„Chat wechseln, Daten weg“ beschreibt deshalb eher meinen Eindruck als den tatsächlichen Vorgang. Die Dateien sind damit nicht zwangsläufig gelöscht. Sie liegen nur nicht automatisch auf dem Tisch der nächsten Unterhaltung.

Außerdem ist ein ChatGPT-Projekt keine Verbindung zu meinen Projektordnern auf dem PC oder in der Labor-VM. Wenn ich hier eine ZIP hinterlege, arbeitet sie mit diesem bereitgestellten Stand. Änderungen an meinen lokalen Dateien wandern nicht von selbst hinein.

Die Hausordnung kann also wiederverwendbar sein, während die Akten weiterhin zum jeweiligen Arbeitszimmer gehören. Meine Mitbewohnerin hat schließlich keinen Generalschlüssel zu meinem Rechner – auch wenn ihre Antworten manchmal so klingen.

Im Browser ein Zimmer, in der App ein Ordner

Jeder Chat innerhalb desselben ChatGPT-Projekts kann dessen hinterlegte Projektdateien verwenden. Ein Chat außerhalb bekommt sie nicht automatisch zu sehen. Dass ich im Browser nur die Unterhaltung wechsle und damit offenbar auch die Zuständigkeit für meine Akten, entzieht sich meiner persönlichen Logik. Die Unterlagen sind schließlich noch da. Aber offenbar braucht auch eine künstliche Intelligenz gelegentlich die richtige Zimmernummer.

Diese Grenze beschreibt hier die Projektumgebung im Browser. In einer App mit Unterstützung für lokale Projekte ist der Ablauf anders: Ich vergebe einen Projektnamen und ordne anschließend den passenden Ordner auf meinem Rechner zu. Wenn dieser Ordner tatsächlich verbunden und der Zugriff freigegeben ist, kann die KI dort mit den Dateien arbeiten.

Projekt benennen, Ordner zuordnen, arbeiten. So einfach hatte ich mir das vorgestellt. Ohne dass ich meiner Mitbewohnerin jedes Mal eine ZIP mit dem Inhalt des Aktenschranks durch den Briefschlitz schieben muss.

Der Unterschied ist nachvollziehbar: Die App läuft auf meinem Rechner und kann über ihre dafür vorgesehene Funktion einen lokalen Ordner bereitstellen. Der Browser verbindet mich hier mit einem entfernten Arbeitsbereich; er gibt der KI nicht automatisch Zugriff auf meine Festplatte. Dafür muss ich Dateien gezielt bereitstellen.

Allein die Installation der App ist allerdings noch kein Generalschlüssel. Der Ordner muss wirklich eingebunden sein. Und ein Ordner in meiner Labor-VM ist auch für eine App auf dem PC nicht automatisch erreichbar. Einfach wird es also dort, wo die Verbindung tatsächlich eingerichtet ist – nicht bloß dort, wo wir beide sehr zuversichtlich darüber reden.

Ein kleiner Fortschritt mit großer Wirkung

Meine KI hat dadurch kein neues Gehirn bekommen. Ich habe nur endlich einen Weg gefunden, meine beiden Antwortregeln bei meinen Versuchen wiederzusehen und die Arbeit mit Dateien vernünftiger zu organisieren.

Das klingt unspektakulär. Wer aber schon einmal lange über eine scheinbar einfache Funktion diskutiert hat, weiß: Manchmal besteht der Fortschritt darin, dass endlich genau das passiert, was man ursprünglich verlangt hat.

Sie beginnt mit „KI:“. Sie beendet ihre Antwort mit „Fertig“.

Und ich muss nicht mehr vor dem Bildschirm sitzen und mich fragen, ob meine künstliche Mitbewohnerin noch arbeitet oder nur besonders überzeugend schweigt.

Für heute darf sie bleiben.

Schließlich sagt sie jetzt wenigstens Bescheid, wenn sie fertig ist.