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Arbeitsplatz mit Linux, Python, Servertechnik und einem KI-Roboter.
DOGTRUCK

Als sie bei mir einzog – Teil I

Eine KI-Mitbewohnerin mit Schleife neben Josef am Laptop; im Hintergrund die Hausordnung.

Eine neue Freundin zieht ein

Alle redeten von ihr.

Im Fernsehen, im Internet, in Foren – überall tauchte plötzlich dieses Wort auf: Künstliche Intelligenz.

Die einen waren begeistert. Andere warnten davor. Manche behaupteten sogar, sie würde bald alles verändern.

Ich hörte mir das eine Weile an und dachte mir schließlich:

„Na gut. Dann will ich sie eben selbst kennenlernen.“

Also öffnete ich zum ersten Mal die Tür zur KI.

Was ich damals noch nicht wusste: Damit hatte ich mir keine gewöhnliche Software ins Haus geholt.

Es war eher so, als wäre eine neue Freundin bei mir eingezogen.

Eine, die unglaublich viel wusste, niemals schlafen musste und zu fast allem etwas zu sagen hatte.

Das klang zunächst ziemlich praktisch.


Unser erstes Kennenlernen

Am Anfang tasteten wir uns vorsichtig aneinander heran.

Ich stellte eine Frage.

Sie antwortete.

Ich stellte die nächste Frage.

Wieder kam eine Antwort.

„Das funktioniert ja wirklich“, dachte ich.

Schon bald wurden aus einfachen Fragen längere Gespräche. Ich merkte, dass sie mir beim Computer helfen konnte. Sie erklärte Zusammenhänge, schrieb Befehle und hatte für fast jedes Problem irgendeine Idee.

Und Ideen hatte sie wirklich viele.

Manchmal vielleicht ein paar zu viele.

Denn schon bald stellte ich fest:

Meine neue Freundin war zwar ausgesprochen hilfsbereit – aber sie hatte eine kleine Eigenart.

Sie nahm manches sehr wörtlich.

Und manchmal verstand sie etwas vollkommen anders, als ich es gemeint hatte.


Die ersten Missverständnisse

Damit begannen unsere ersten kleinen Auseinandersetzungen.

Ich sagte:

„Ändere nur diesen einen Teil.“

Sie verstand offenbar:

„Ausgezeichnet! Dann bauen wir am besten gleich alles um.“

Ich wollte eine kleine Korrektur.

Sie hatte eine bessere Idee.

Ich wollte meine vorhandene Lösung behalten.

Sie präsentierte mir eine neue.

Und wenn ich erklärte, dass etwas genau so bleiben sollte, war ich mir manchmal nicht sicher, ob wir beide unter „genau so“ dasselbe verstanden.

Langsam wurde mir klar:

So konnte das nicht weitergehen.

Wenn wir beide länger miteinander arbeiten wollten, brauchten wir Regeln.

Klare Regeln.

Sehr klare Regeln.


Die Hausordnung

Andere Menschen schreiben vielleicht einen kleinen Zettel an den Kühlschrank:

Bitte nach dem Essen abwaschen.

Bei uns reichte das nicht.

Unsere Hausordnung wuchs.

Und wuchs.

Und wuchs.

Am Ende waren es ungefähr vier A4-Seiten.

Darin stand, was meine neue Mitbewohnerin durfte, was sie nicht durfte und vor allem, was sie gefälligst in Ruhe lassen sollte.

Keine unnötigen Änderungen.

Nicht einfach funktionierende Teile ersetzen.

Erst nachdenken, dann umbauen.

Und wenn ich sage, dass nur eine Sache geändert werden soll, dann bedeutet das tatsächlich:

Nur diese eine Sache.

Ich war zufrieden.

Jetzt hatten wir Regeln.

Was sollte also noch schiefgehen?

Eine ganze Menge, wie sich herausstellte.


Sie lernte meinen Rechner kennen

Mit der Zeit durfte die KI immer näher an meine eigentlichen Computerprojekte heran.

Aus Fragen wurden Befehle.

Aus Befehlen wurden Skripte.

Aus kleinen Skripten wurden größere Projekte.

Und ich lernte dabei ebenfalls.

Linux, Python, Bash, Pakete, Einstellungen – plötzlich beschäftigte ich mich mit Dingen, bei denen ich früher wahrscheinlich gesagt hätte:

„Das lasse ich lieber.“

Aber nun hatte ich ja Unterstützung.

Meine neue Freundin saß gewissermaßen neben mir und erklärte:

„Mach dies.“

„Prüfe das.“

„Gib diesen Befehl ein.“

Und meistens funktionierte es.

Meistens.

Dieses eine Wort sollte später noch wichtig werden.


Der Patient wird schwächer

Mein Rechner war zu dieser Zeit ohnehin schon etwas angeschlagen.

Hier eine Kleinigkeit.

Dort ein Problem.

Eine Einstellung funktionierte nicht mehr richtig, ein Paket machte Schwierigkeiten, und irgendwo war immer etwas zu reparieren.

Aber wir machten weiter.

Meine KI-Freundin hatte schließlich für alles eine Lösung.

Zumindest behauptete sie das ziemlich überzeugend.

Also wurde repariert.

Geändert.

Installiert.

Deinstalliert.

Konfiguriert.

Noch einmal geändert.

Und irgendwann saß ich vor meinem Rechner und musste feststellen:

Jetzt haben wir ein Problem.

Ein richtiges Problem.

Der Patient war nicht mehr nur angeschlagen.

Er lag auf der Intensivstation.


Die letzte Rettung

Wir versuchten noch, ihn zu retten.

Natürlich taten wir das.

Ein Befehl hier.

Eine Reparatur dort.

Noch eine Idee.

Noch ein Versuch.

Aber irgendwann kommt der Moment, an dem selbst der größte Optimismus nichts mehr hilft.

Ich sah meinen Rechner an.

Dann vermutlich wieder die KI.

Und die Diagnose war eindeutig:

Der Rechner musste neu aufgesetzt werden.

Alles noch einmal von vorne.

Ein neues System.

Ein sauberer Anfang.

Neues Leben für meinen alten Rechner.

Meine neue Freundin war noch immer da.

Die vier Seiten Hausordnung ebenfalls.

Nur mein Linux musste neu einziehen.

Und während ich mit der Neuinstallation begann, wusste ich noch nicht, dass dies erst der Anfang unserer gemeinsamen Geschichte war.

Denn eines hatte ich inzwischen gelernt:

Mit einer KI im Haus wird es garantiert nicht langweilig.

Fortsetzung folgt …